Kreisbewegung und Zentripetalkraft

Veröffentlicht: 5. Januar 2025 | Lesezeit: 8 min

Karussell auf einem Jahrmarkt

Du sitzt im Karussell und auf einmal spürst du eine Kraft, die dich nach außen drückt. Oder du fährst mit dem Auto in eine scharfe Kurve und dein Körper will nach außen. Ist das eine "Fliehkraft"? Physiker nennen das anders – und die Erklärung ist überraschend einfach.

Warum bewegen sich Körper überhaupt im Kreis?

Ohne eine Kraft, die ständig zur Mitte des Kreises zeigt, würde ein Körper einfach geradeaus weiterfliegen – das ist Newtons erstes Gesetz. Damit ein Körper auf einer Kreisbahn bleibt, muss ständig eine Kraft auf ihn wirken, die seine Richtung ändert. Diese Kraft zeigt immer zum Zentrum des Kreises und heißt Zentripetalkraft.

Die Formel lautet: F_ZP = m × v² / r. Dabei ist m die Masse, v die Geschwindigkeit und r der Radius des Kreises. Interessant: Die benötigte Kraft wächst quadratisch mit der Geschwindigkeit. Das heißt: Wer doppelt so schnell fährt, braucht viermal so viel Zentripetalkraft, um auf der gleichen Kreisbahn zu bleiben.

Auto in einer Kurve

Bei schnellen Kurven muss die Reibung zwischen Reifen und Straße genug Zentripetalkraft liefern.

Beispiele aus dem Alltag

Ein Satellit im Orbit wird ständig von der Erdanziehung zur Erde gezogen – genau diese Kraft ist seine Zentripetalkraft. Er will ja eigentlich geradeaus fliegen, aber die Schwerkraft zwingt ihn auf eine Kreisbahn.

Bei der Erde-dreh-Um-Achse-Maschine im Freizeitpark: Die Gondeln werden an Ketten gehalten, die eine Zentripetalkraft liefern. Ohne Ketten würde man einfach wegfliegen. Und ja, auch die Planeten bewegen sich (fast) auf Kreisbahnen um die Sonne – die Gravitation liefert die nötige Zentripetalkraft.

Die Sache mit der "Fliehkraft"

Die "Fliehkraft" ist streng genommen keine reale Kraft – sie ist eine Scheinkraft. In einem beschleunigten Bezugssystem (wie einem Auto in der Kurve) scheint sie zu existieren. Physiker nennen das Trägheitskraft. In einem Inertialsystem (z.B. von außen betrachtet) existiert nur die Zentripetalkraft, die nach innen zeigt.

Im Auto fühlst du dich nach außen gedrückt – aber eigentlich will dein Körper einfach geradeaus weiter. Das Auto lenkt nach innen ab, und du spürst den "Mangel" an Zentripetalkraft als scheinbare Kraft nach außen.

Häufige Fragen

Warum ist die Formel F = mv²/r und nicht F = mv/r?

Weil bei einer Kreisbewegung ständig die Richtung der Geschwindigkeit geändert wird – das ist eine Beschleunigung. Die Zentripetalbeschleunigung ist a = v²/r. Und aus Newtons Gesetz F = m × a folgt direkt F = m × v²/r.

Fliegt man bei einer Kurve wirklich nach außen?

Nein! Man will eigentlich geradeaus weiterfliegen (Trägheit). Das Auto wird nach innen gelenkt. Von außen betrachtet sieht man: Das Auto und du werdet nach innen beschleunigt. Die Kraft, die das tut, kommt von der Reibung der Reifen. Ohne Reibung (bei Eis) würde man einfach geradeaus weiterfahren und das Auto würde unter einem durchrutschen.

Was hat das mit Loops in Achterbahnen zu tun?

Ganz oben im Loop ist die Zentripetalkraft minimal –几乎 nur die Gewichtskraft. Der Wagen muss schnell genug sein, sonst fällt man runter. Unten im Loop ist die Zentripetalkraft am größten: Die Sitze müssen dann das Mehrfache des Körpergewichts aushalten. Deshalb wird dir im Loops unten mulmig.